Im Rahmen des bundesweiten EU-Projekttages erlebten rund 90 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 am Gymnasium Wendalinum eine Politikstunde der besonderen Art. Nachdem bereits zu Wochenbeginn Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot zu Gast war, begrüßte die Schulgemeinschaft am vergangenen Donnerstag Roland Theis (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages.
Der Schulleiter, Herr Besch, hieß den Gast herzlich willkommen und unterstrich in seinen Einführungsworten die Bedeutung des direkten Dialogs zwischen Politik und Jugend. Als Experte für Verteidigung und europäische Angelegenheiten stand Roland Theis den Jugendlichen anschließend Rede und Antwort.
Roland Theis spannte in der Diskussion den Bogen von den historischen Wurzeln der EU als Friedensprojekt bis hin zur aktuellen Sicherheitspolitik. Mit Blick auf seine Arbeit im Verteidigungsausschuss betonte er die Notwendigkeit einer starken europäischen Souveränität. „Diplomatie ohne militärische Macht ist wie Musik ohne Instrumente“, so Theis pointiert zur Bedeutung der Abschreckung. Er sprach sich für einen gemeinsamen Binnenmarkt aus und unterstrich die Wichtigkeit der transatlantischen Zusammenarbeit. Auch eine zukünftige EU-Mitgliedschaft der Ukraine befürwortete er ausdrücklich, sowohl aus kulturellen als auch aus sicherheitspolitischen und geografischen Erwägungen.
Ein weiteres großes Thema war die gesellschaftliche Spaltung. Theis warnte vor den Gefahren durch Künstliche Intelligenz und Deepfakes, die einen kritischen und reflektierten Umgang mit Medien erfordern. Um der Radikalisierung entgegenzuwirken, brauche es laut Theis gesellschaftliche Mehrheiten in der Mitte und eine Rückkehr zu einer respektvollen Gesprächskultur, die Differenzen aushält und ein Miteinander vorlebt.
Auf die Frage nach einem möglichen AfD-Verbot zeigte sich der Abgeordnete skeptisch bezüglich der hohen rechtlichen Hürden und der Gefahr eines „Opfernarrativs“. Vielmehr müsse die Politik die Bürger durch konkrete Ergebnisse überzeugen und das Vertrauen in die Demokratie als richtige Staatsform stärken, indem man sich den inhaltlichen Auseinandersetzungen stellt.
In der Debatte um die Wehrpflicht positionierte sich Theis klar: Statt einer Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht plädierte er für Freiwilligkeit und die Steigerung der Attraktivität des Dienstes. Persönlich sprach er sich zudem für ein allgemeines Gesellschaftsjahr für alle aus, in dem sich junge Menschen beispielsweise beim THW oder dem DRK engagieren können, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Für Meike Schmidt, die Fachvorsitzende für Politik am Wendalinum, ist dieser Austausch ein zentraler Baustein der schulischen Arbeit: „Solche Veranstaltungen schulen die Demokratieerziehung nachhaltig. Sie machen Politik für die Schülerinnen und Schüler greifbar und sensibilisieren sie gerade vor den Herausforderungen in der aktuellen Zeit“. Die Zehntklässler nutzten die Chance intensiv, stellten kritische Nachfragen und bewiesen ein hohes Maß an politischem Interesse und Reflexionsvermögen.















